Rheinland

Philosophie im Rheinland

Der Rheinländer ist von Geburt aus Philosoph - auch wenn er das selbst nicht so sieht. Es ist aber an seinen Redensarten deutlich erkennbar.

„Jede Jeck is angers.“

Vielleicht der knappste rheinische Satz über Freiheit und Toleranz

Rheinische Grundsätze

Die bekanntesten Redensarten sind meist kleine Formeln für Gelassenheit, Menschenkenntnis und praktischen Lebenssinn.

Jede Jeck is angers , Damit ist nicht der Karnevalist gemeint, sondern jeder Mensch an sich mit seinen individuellen Eigenarten. Neben der Toleranz (Bezug zum Humanismus) wird hier auch ausgedrückt, dass jeder Mensch ein eigenes Karma hat (Bezug zu asiatischer Philosophie).

Et kütt, wie et kütt , Es kommt, wie es kommt... Hier könnte man einen gewissen Fatalismus vermuten, der den Rheinländer in Lethargie stürzt - ist aber nicht so. Dies drückt vielmehr eine reife Gelassenheit gegenüber dem Lauf des Lebens aus.

Et hätt noch emmer joot jejange , Der Rheinländer ist Optimist. Auch in schwierigen Situationen vertraut er darauf, dass alles gut ausgeht.

Wat fott es, es fott , eine Kunst, nicht endlos an Vergangenem zu hängen.

Wat woor is muß woor blieve , Der Rheinländer weiß, was er der Ethik schuldig ist. Daher sind hauptamtliche Rechtsverdreher aus Politik und Wirtschaft gar nicht beliebt.

Wat dem een sin Uhl, es dem annere sin Nachtigall , Hier zeigt sich der Ansatz zum radikalen Konstruktivismus in vollem Umfang. Daher weiss der Rheinländer ganz besonders eins: über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Mehr als bloßer Humor

Rheinische Philosophie ist keine systematische Lehre. Sie ist eher eine gelebte Haltung: großzügig im Umgang mit anderen, skeptisch gegenüber Pathos und ziemlich geübt darin, Rückschläge nicht mit Weltuntergang zu verwechseln.

Was man daraus mitnehmen kann

Humor ist oft keine Nebensache, sondern eine Form von Klugheit.

Gelassenheit ist nicht Gleichgültigkeit, sondern eine disziplinierte Art von Zuversicht.